Deduktiver Beweis
Wenn wir über Beweisführung sprechen, steht zunächst die Mathematik im Vordergrund. Sie ist wohl diejenige Disziplin, welche sich von Natur aus am intensivsten mit Beweisen befasst. Wie geht man in der Mathematik diesbezüglich vor? Das Prinzip ist wie folgt: Seit ältester Zeit kennt man Grundannahmen (auch Axiome genannt), welche als Ausgangspunkte festgelegt werden. Aus diesen anfänglichen Grundaussagen lassen sich, unter Zuhilfenahme logischer Schlussfolgerungen, neue Aussagen (auch Sätze genannt) aufstellen. Basiert ein solcher Satz in seiner letzten Konsequenz auf den Axiomen und sind bei seiner Herleitung die Werkzeuge der Logik korrekt angewendet worden, so gilt die Aussage als bewiesen. Diese Vorgehensweise nennt man die deduktive Beweisführung. Man spricht auch von einem „Von-oben-nach-unten“-Beweis, wobei „oben“ die allgemeinen Grundannahmen stehen, „unten“ folgen die „Spezifikationen“, also die Sätze, welche aufgrund der Logik gelten müssen.
Induktiver Beweis
Nicht in jedem System lässt sich die deduktive Beweisführung gleich gut anwenden wie in der Mathematik. Sobald wir lebendige Systeme modellieren wollen, wird es deshalb schwierig bis unmöglich, weil man oftmals die basalen Grundannahmen nicht kennt oder nicht mit Sicherheit benennen kann. So wird beispielsweise in der Biologie oder der konventionellen Medizin eine andere Art von Herleitung praktiziert. Man untersucht Beobachtungen systematisch. Wenn sich dabei zeigt, dass ein Sachverhalt immer in gleicher Manier auftritt, wird dies als empirisch gesicherte Erkenntnis betrachtet. Dies wird in der Regel mit statistischen Methoden nachgewiesen. Diese Vorgehensweise bezeichnet man als induktive Beweisführung, oder auch „Von-unten-nach-oben“-Beweis. Die „unteren“ Einzelbeobachtungen führen zu den „oberen“ allgemeingültigen Aussagen.
Man kann die allgemeine Beweisführung grob in diese beiden Kategorien einteilen. Jede hat Vor- und Nachteile.
Der deduktive Beweis gilt als „harter“ Beweis. An ihm kann grundsätzlich nichts ausgesetzt oder herumdiskutiert werden. Nach Übereinkunft mit den Grundannahmen besticht die Logik mit ihrer absoluten Konsequenz. Nachteilig ist, dass die aufgestellten Axiome einengend sein könnten, insbesondere dann, wenn man sich nicht bewusst ist, dass es Übereinkünfte sind und deshalb nicht allgemeine Wahrheiten darstellen.
Auch die induktive Beweisführung kommt letztlich nicht ohne Grundannahmen aus. Diese werden jedoch häufig übersehen oder als selbstverständlich vorausgesetzt. Nicht selten versucht man gerade in Modellen, welche vorwiegend auf induktiven Beweisen beruhen, die basalen Allgemeingültigkeiten zu finden. Dabei übersieht man leicht, dass die Art und Weise des „Suchens“ von verborgenen Auffassungen abhängt.

Naturwissenschaft
Die Naturwissenschaft ist generell ein überaus klassischer Vertreter eines auf vorwiegend induktiven Beweisen gründenden Modells. Im Prinzip stellt man aufgrund von Beobachtungen allgemeine Regeln und Vorstellungen auf. In der althergebrachten Naturwissenschaft werden Modelle aufgestellt, welche aus den sinnlich erfahrbaren und/oder messbaren Effekten gezogen werden und diese wiederum erklären, respektive voraussagen können. Aktuell gibt es viele Strömungen, welche ein allzu materialistisch-mechanistisches Modell vertreten. Dies beruht auf der methodischen Beschränkung auf das sinnlich Erfahrbare und Messbare. Allerdings lässt sich auf diesem Weg kein idealistisches Weltbild begründen oder finden. Denn ein wichtiges Momentum im Idealismus ist gerade die Existenz einer weder sinnlich noch messtechnisch erfassbaren Kraft (das Göttliche).
Jedoch spielt es gar keine Rolle, mit welchem Weltbild sich der Einzelne identifiziert (ein empiristisch-naturwissenschaftliches oder ein idealistisches). Der aktuelle Zeitgeist unserer westlichen Welt scheint ein naturwissenschaftliches zu bevorzugen. Problematisch wird es dann, wenn ein Weltbild in einer Gesellschaft auf dogmatische Weise durchgesetzt wird. Damit nimmt es ideologische Züge an.
Homöopathie
Wie steht es mit der Homöopathie? Sie beruht auf einem klar idealistischen Weltbild. Wenn man ihre Grundannahmen kennt, welche im Übrigen ganz klassisch für den Idealismus sind, dann kann man, analog zur Mathematik, sämtliche Sätze, respektive Aussagen, welche die Homöopathie konstituieren, mit der Logik herleiten. Das Modell der Homöopathie ist somit grundsätzlich deduktiv begründbar. Dies habe ich im Buch „Die Unwiderlegbarkeit der Homöopathie“ (bge-Verlag) gezeigt.
Schön und gut, könnte man sagen, möglicherweise habe die Homöopathie als Heilmodell tatsächlich eine theoretische Stimmigkeit. Doch dies weise noch nichts über die Wirksamkeit nach. Als Antwort kann man nur sagen: Einerseits ja, ein stimmiges Modell, welches nur in der Theorie existiert, hat tatsächlich vorerst keine Aussage bezüglich der Realität. Andererseits ist die Homöopathie alles andere als ein erdachtes, theoretisches Modell. Das erkennt man bereits an ihrer Entstehungsgeschichte und beim Studium der Schriften Hahnemanns (Begründer der Homöopathie). Und ebenso wichtig: Unzählige Ärzte, Heilpraktiker und Patienten erlebten bereits die erstaunliche Wirksamkeit der Homöopathie und erleben sie immer wieder aufs Neue. Des Weiteren existieren aus Sicht ihrer Befürworter auch auf induktivem Weg Studien und wissenschaftliche Arbeiten, die ihre Wirksamkeit stützen. Man studiere dazu die Arbeiten des IKIM Bern (Institut für Komplementäre und Integrative Medizin) oder der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (wisshom.de).
Abschliessend noch ein Wort über die Kritiker der Homöopathie. Vorab ist jedoch festzuhalten, dass selbstverständlich jeder seine eigene Meinung haben darf und soll. Kritisch wird es dann, wenn versucht wird, die Homöopathie in der Gesellschaft zu denunzieren oder gar zu beseitigen. Leider basiert in solchen Fällen die Argumentation der feindseligen Kritiker in der Regel auf einem äusserst mangelhaften Wissen bezüglich der Homöopathie. Nicht nur wird die aktuelle Studienlage (induktive Beweisführung) oftmals weitgehend ignoriert. Stattdessen wird sie häufig anhand eines mechanistisch-materialistischen Massstabs beurteilt, der ihrem eigenen theoretischen Fundament nicht entspricht. Dadurch bleibt ihre deduktive Argumentationsweise weitgehend unberücksichtigt.
